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Masterstudiengang "Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe"

Im WiSe 2015/16 startete der Masterstudiengang „Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe M.A.” (Flyer) an der Frankfurt University of Applied Sciences. Dieser integriert eine von den Deutschen Rentenversicherern zertifizierte suchttherapeutische Ausbildung und richtet sich an SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und ÄrztInnen.

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Hepatiden bei aktiven DrogenkonsumentInnen

Leitung:
Prof. Dr. Hans-Volker Happel

Problemstellung:

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) konstatiert in ihrem Jahresbericht 2003, dass trotz einer verhältnismäßig schwierigen Datenlage ein klares Gesamtbild in Bezug auf die Erhöhung der Hepatitis C (HCV) und Hepatitis B (HBV) in der Gruppe der i. v. DrogengebraucherInnen vorliegt: "... mit Infektionsraten von 40 - 90 % in verschiedenen Untergruppen der injizierenden Drogenkonsumenten ist die HCV-Prävalenz in allen Ländern und Settings außerordentlich hoch (Seite 26).

Bei erheblichen regionalen Schwankungen (niedrigere HCV-Infektionsraten in Großbritannien, Schweden, Luxemburg, hohe Infektionsraten in Deutschland, iberische Halbinsel, Italien) und Differenzen in unterschiedlichen Drogenpopulationen (Neueinsteiger, ältere Drogenabhängige, Drogenabhängige im Justizvollzug, Drogenabhängige in stationären Therapieprogrammen etc.), wird eine generelle Tendenz zur Prävalenzerhöhung von HCV und HBV festgestellt.

Die Steigerung der Hepatideninfektionen steht im Widerspruch zur Stabilisierung oder z. Teil auch zur Reduktion der HIV-Infektionen bei intravenösen DrogenkonsumentInnen. STÖVER (2004) interpretiert diese Diskrepanz als Versäumnis der Drogenpolitik und der Drogenhilfe. Man habe zu lange auf eine "Hucke-Pack-Strategie" gesetzt und darauf vertraut, dass mit der HIV-Prävention auch das Hepatitisrisiko quasi im Schlepptau reduziert würde. Angesichts der Tatsache, dass mehr als 50 % der Hepatitisinfektionen chronisch verlaufen, sind die  bisherigen Bemühungen um gesundheitliche Prophylaxemaßnahmen als zu gering  zu bezeichnen. Nach BRODBECK et al. (2004) sind für diesen Tatbestand u. a. die gering eingeschätzte Krankheitsschwere angesichts vieler anderer Gesundheitsrisiken von Drogenkonsumierenden, die Unkenntnis der Ansteckungswege sowohl unter professionellen als auch unter Drogenkonsumierenden und die Überzeugung, die HIV-Botschaften würden automatisch auch die Hepatitisprophylaxe betreffen, verantwortlich.
Die Integrative Drogenhilfe e. V., ein Trägerverein im niedrigschwelligen Drogenhilfebereich, hat, in Kooperation mit den ÄrztInnen der Malteser Werke gGmbH, 2005 eine Diagnose- und Impfschutzaktion zur Hepatitisproblematik in der offenen Szene in Frankfurt durchgeführt. Kontaktiert  wurden die AdressatInnen über den größten Frankfurter Konsumraum in der Niddastraße.
Die gesamte Aktion wurde vorwiegend unter dem Gesichtspunkt medizinischer Gesundheitsförderung angeboten und hatte daher auch eine vorwiegend medizinische Ausrichtung. Nach nun 12monatiger Laufzeit haben von den insgesamt nahezu 3.000 jährlichen BesucherInnen des Konsumraumes 462 an der Erstuntersuchung teilgenommen (Stand 24.01.2006).

Von den 462 TeilnehmerInnen hatten 282 einen positiven Hepatitis-C-Befund (61 %), 155 Personen (34 %) hatten einen negativen Serobefund. Von den 282 positiv getesteten Personen wussten 69 (25 %)  nicht, dass sie mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert sind. Bei 5 % der gesamten Untersuchungsgruppe fanden sich multiple Hepatitiden (Hepatitis B + C, Hepatitis A + B, Hepatitis A, B und C). Die bisherigen Erfahrungen im Umfang mit diesem Thema zeigen, dass ein erheblicher Informationsbedarf bei den DrogenkonsumentInnen besteht und dass in dieser Adressatengruppe präventive Maßnahmen für ein angemessenes Problembewusstsein der Hepatitisrisiken entwickelt werden muss.
Im Verlaufe der bisherigen Aktion sind neben den medizinischen Befunderhebungen eine Vielzahl psychosozialer Fragen aufgetaucht, deren Beantwortung für ein besseres Verständnis der Gesamtlage dringend notwendig erscheint.
Was sind die Motive der DrogenkonsumentInnen, sich an dieser Aktion zu beteiligen?
Was sind die Hinderungsgründe der DrogenkonsumentInnen, die eine Teilnahme verweigern?
Wie ist der Kenntnis- und Informationsstand zum Hepatitisrisiko, zu Präventionsmaßnahmen und zu Behandlungsmöglichkeiten innerhalb der Gruppe der i.v. DrogenkonsumentInnen?
Unter welchen Bedingungen lässt sich die Compliance noch nicht infizierter bzw. infizierter DrogenkonsumentInnen bei der Prophylaxe bzw. Behandlung verbessern?
Verbessert sich präventives Verhalten im Zusammenhang mit Informationen bzw. negativen/positiven Befundlagen?
Im Falle von positiven serologischen Befunden ist zu fragen, ob der Infektionsweg nachvollzogen werden kann bzw. ob eine Vorstellung über die Infektionsweise besteht.
Welche eigenen Vorstellungen in bezug auf Behandlungserfolg, Kontinuität der Mitarbeit, eigene Möglichkeiten der Beeinflussung des Krankheitsverlaufs, Bereitschaft zu einer medikamentösen Behandlung bestehen?
Die Beantwortung dieser Fragen kann einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung von Präventionsbotschaften und Materialien für diese Adressatengruppe leisten.
 

Methoden:

Im Rahmen strukturierter Interviews sollen insgesamt 350 DrogenkonsumentInnen der offenen Frankfurter Szene ausführlich zur Hepatitissituation ihrer eigenen Person befragt werden. Das Interview bezieht sich auf Kenntnisse des eigenen Hepatitisstatus, der Infektionswege, der effektiven Präventionsmöglichkeiten, der selbstpraktizierten Vorbeugemaßnahmen, der persönlichen Risikoeinschätzung, der aktuellen oder auch optionalen Behandlungsbereitschaft, der Selbstwirksamkeit bei der Verhinderung bzw. Bewältigung einer Hepatitis.

Zielsetzung:

Bei DrogenkonsumentInnen besteht ein erheblicher Informationsbedarf zur Hepatitis-Problematik. In dieser Adressatengruppe muss, über präventive Maßnahmen, ein angemessenes Problembewusstsein für die Risiken entwickelt werden.

Materialien

  • Happel, H.-V. (2006): Wissensstand, Risikomanagement und Selbstüberzeugungen bei intravenösen DrogengebraucherInnen zur Hepatitisprophylaxe. 3. Internationaler Fachtag Hepatitis C, Bonn 2006, S. 22-37.

Veröffentlichungen

  • Happel, H.-V. (2006): Wissensstand, Risikomanagement und Selbstüberzeugungen bei intravenösen DrogengebraucherInnen zur Hepatitisprophylaxe. 3. Internationaler Fachtag Hepatitis C, Bonn 2006, S. 22-37.