Kontakt:

Prof. Dr. Heino Stöver
BCN-Gebäude
Raum 220
Nibelungenplatz 3
60318 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 1533-2823
Mobil: (0162) 1334 533

Masterstudiengang "Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe"

Im WiSe 2015/16 startete der Masterstudiengang „Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe M.A.” (Flyer) an der Frankfurt University of Applied Sciences. Dieser integriert eine von den Deutschen Rentenversicherern zertifizierte suchttherapeutische Ausbildung und richtet sich an SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und ÄrztInnen.

E-Learning Courses

The CARE Project E-learning
offers four courses:
HarmReduction.eu

Gendersensible Suchtarbeit – Wie geht das?

Fortbildung Gender & Sucht
In-House-Schulung Gender & Sucht

Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger – eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie

Laufzeit:
1/2001 - 12/2006

Projektteam des ISFF

Leitung:
Prof. Dr. Irmgard Vogt

Mitarbeiter:
Dr. Martin Schmid (2001-2004),
Dipl. Soz. Renate Simmedinger (2005-2006) u. a.

Förderung:
Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
In Kooperation mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) der Universität Hamburg , der Kölner Forschungsgruppe Gesundheit und Soziales (FOGS) u. a.

Teilprojekte:

  • Vorbereitung und Ausarbeitung eines Manuals "Case Management mit integriertem Motivational Interviewing";
  • Vorbereitung und Durchführung der Schulung von Projektmitarbeiter/innen; Nachschulungen, Coachingbesuche in den Studienzentren;
  • Vorbereitung und Durchführung der externen Evaluation in Frankfurt am Main;
  • Spezialstudie zur Binnenevaluation der psychosoziale Begleittherapien.

Weitere Informationen:

www.heroinstudie.de

Veranstaltungen

Seit den 90er Jahren wurde in Deutschland über ein wissenschaftliches Erprobungsverfahren zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger diskutiert. Im September 1999 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hierzu eine bundesweite Studie ausgeschrieben. Der Projektauftrag wurde vom BMG, einem externen Gutachtergremium und den beteiligten Kommunen an das Zentrum für Inderdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) Hamburg (Prof. Dr. Michael Krausz, heute: Prof. Dr. Dieter Naber, PD. Dr. Christian Haasen) und die Studiengruppe "Heroingestützte Behandlung Opiatabhängiger", an der auch Prof. Dr. Vogt und Dr. Martin Schmid von der Fachhochschule Frankfurt am Main (jetzt: Frankfurt University of Applied Sciences), Institut für Suchtforschung, beteiligt sind.
Ziel der Studie ist die Überprüfung der Hypothese, ob für ausgewählte Untergruppen von opiatabhängigen Männer und Frauen eine heroingestützte Behandlung zu besseren Ergebnissen führt als eine konventionelle methadongestützte. Im Rahmen einer Arzneimittelstudie werden also zwei Substanzen in ihrer Wirkungsweise miteinander verglichen. Aus sachlichen Gründen wird die medikamentöse Behandlung zusammen mit einer intensiven psychosozialen Begleitung angeboten. Zur differenzierten Erforschung der Effekte der verschriebenen Substanzen einerseits und der psychosozialen Behandlung andererseits werden auch hierfür zwei unterschiedliche Methoden verglichen: zum einen eine Kombination aus herkömmlicher Drogenberatung und einem psychoedukativen Gruppenprogramm und zum anderen die Kombination aus Case Management und integrierter Motivierender Beratung.

An der Studie beteiligen sich die Städte Hamburg, Hannover, Frankfurt, Köln, Bonn, Karlsruhe und München. Insgesamt sind 1.032 opiatabhängige Männer und Frauen in die Studie aufgenommen worden. Die Datenauswertung bezieht sich auf 1.015 Personen (aus methodischen Gründen mussten 17 Personen aus der Datenauswertung ausgeschlossen werden). Die Zuweisung der Patientinnen und Patienten zur Medikation und zur psychosozialen Behandlung erfolgte nach Zufall (Randomisierung). Das Studiendesign folgt damit der Logik der Evidenzbasierung. Der erste Studienabschnitt bezieht sich auf 12 Behandlungsmonate. Überprüft wurde zunächst die Wirksamkeit der medikamentösen Therapie. Das Ergebnis entspricht den Erwartungen: die Heroinbehandlung ist der Methadonbehandlung hinsichtlich der Kriterien: Verbesserung der Gesundheit, und Rückgang des Konsums von Strassendrogen, überlegen. Der zweite Studienabschnitt bezieht sich auf 24 Monate Behandlung. Geprüft werden die Langzeiteffekte der Behandlung mit Heroin.
Die Frankfurter Forschergruppe ist gemeinsam mit der Kölner "Forschungsgruppe Gesundheit und Soziales" (FOGS) verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der psychosozialen Behandlung mit "Case Management mit integriertem Motivational Interviewing". Für die Drogen- und Suchtkrankenhilfe in Deutschland sind dies vergleichsweise neue Ansätze. Beide Methoden wurden in den USA entwickelt, wo sie inzwischen zu Standardbehandlungsformen in der Behandlung von Substanzabhängigen gehören. Case Management ist eine Weiterentwicklung der Einzelfallhilfe, einer klassischen Methode der Sozialen Arbeit; es handelt sich dabei sowohl um eine strukturierte Vorgehensweise zur Hilfeplanung als auch zur Verknüpfung von Klientenbedürfnissen mit den Angeboten der formellen und informellen Unterstützungssysteme. Das Konzept von Motivational Interviewing (motivierende Beratung) stellt eine Weiterentwicklung der klientenzentrierten Gesprächsführung dar, die gezielt mit Ansätzen der kognitiven Verhaltenstherapie verbunden wird. Motivational Interviewing rückt die Veränderungsmotivation in den Mittelpunkt der  Behandlung; betont werden die Chancen und Möglichkeiten der psychosozialen Fachkräfte, auf die Motivation der Klientinnen und Klienten Einfluss zu nehmen.

Die Frankfurter Forschergruppe beteiligte sich in der intensiv an der Erarbeitung der entsprechenden Antragsteile; sie hat zusammen mit FOGS das Manual "Case Management mit integriertem Motivational Interveiwing" erstellt; ebenfalls zusammen mit FOGS hat sie die Organisation und Durchführung der Schulung der Fachkräfte für dieses Verfahren übernommen. Während der Durchführungsphase hat sie wiederum zusammen mit FOGS Nachschulungen durchgeführt; darüber hinaus hat die Frankfurter Forschungsgruppe in ausgewählten Studienzentren Coaching-Besuche mit intensiven Fallbesprechungen durchgeführt. Sie hat ausserdem Zuarbeiten für andere Spezialanalysen übernommen (z.B. für Studien zur Versorgungsforschung). Im Rahmen der Spezialstudie Binnenevaluation hat die Frankfurter Forschungsgruppe an der Untersuchung der Wirksamkeit der psychosozialen Behandlung mitgearbeitet. Darüber hinaus organisierte und organisiert die Frankfurter Forschungsgruppe Expertenmeetings sowie öffentliche Veranstaltungen zur Heroinstudie.

Veröffentlichungen

  • Schmid, M. & Schu, M. (2006): Motivational Case Management (MOCA): Paradigmenwechsel in der Drogenhilfe? In: Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, 38, 77-94.
  • Vogt, I. & Veltrup, C. (2003): Editorial. In: Suchttherapie, 4, 113.
  • Vogt, I., Schmid, M., Schu, M. (2003): Motivationsarbeit mit Drogenabhängigen: Erfahrungen mit Motivational Interviewing und Case Management. In: Suchttherapie, 4, 132-139.
  • Schmid, M., Schu, M., Vogt, I. (2002): Motivational Case Management im Rahmen des Modellprojekts zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger. In: Richter, G.; Rommelspacher, H.; Spies, C. (Hrsg.). "Alkohol, Nikotin, Kokain ... und kein Ende?" Suchtforschung, Suchtmedizin und Suchttherapie am Beginn des neuen Jahrzehnts, Lengerich: Pabst, 359 - 367.
  • Schu, M., Schmid, M., Görgen, W., Vogt, I., Oliva, H. (2002): Case Management mit integriertem Motivational Interviewing im bundesdeutschen Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger - eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie. Manual. Köln/Frankfurt am Main: FOGS/ISFF (2002).
  • Schmid, M., Vogt, I. (2001): Case Management und motivierende Beratung . In: Suchttherapie, 2, 73-79.