Trauma im Alter (TIA)

Das Forschungsprojekt

English version

Projektleitung: Prof. Dr. Ilka Quindeau, Frankfurt University of Applied Sciences

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Dr. phil. Dipl.Psych. Nadine Teuber, Dipl. Päd. Katrin Einert

Das Forschungsprojekt „Trauma im Alter“ ist weitgehend abgeschlossen. Sie finden hier einen Kurzbericht über das Projekt sowie weitere Informationen zum Projekt. Derzeit werden noch weitere Forschungsergebnisse veröffentlicht und in der Monographie Kindheiten in Krieg und Nationalsozialismus ausführlich dargestellt (erscheint bei Beltz-Juventa).

Hintergrund

Propaganda-Plakat der HJ: "Jugend dient dem Führer"

Viele der heute über 60-Jährigen haben in ihrer Kindheit und Jugend unter Krieg und Verfolgung gelitten. Hinzu ist vielfach die Sozialisation unter nationalsozialistischen Erziehungsmaximen gekommen. Dieser Erfahrungshorizont von Kriegshandlungen und NS-Ideologie hatte großes traumatisierendes Potential.

Oftmals treten die Erinnerungen daran besonders im Alter wieder auf und bringen heute große psychische Belastungen für die damaligen Kinder und Jugendlichen mit sich. Gerade in der Umorientierung, die mit dem Berufsausstieg verbunden ist, können die frühen Kindheitserfahrungen erneut Bedeutung entfalten und die einstigen Traumatisierungen reaktiviert werden.

Um die wiedererscheinenden Traumatisierungen zu verstehen, reicht es nun nicht, wie es meist geschieht, die Auswirkungen der Bombennächte und die Erfahrung von Flucht und Vertreibung zu betrachten, vielmehr ist es entscheidend, NS-Ideologie und NS-Erziehung miteinzubeziehen.

Forschungsprojekt „Trauma im Alter“

Propaganda-Plakat der HJ: "Jugend dient dem Führer"

Von Mai 2009 bis April 2013 führten wir zu diesem Thema ein vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) gefördertes Projekt an der Fachhochschule Frankfurt am Main durch. Das Ziel unseres Projektes war es, die Spätfolgen früher Traumatisierungen der Jahrgänge 1930-1945 zu untersuchen und Konzepte für die Traumabearbeitung im Alter zu entwickeln.

Hierzu führten wir eine Reihe von Gesprächen mit betroffenen Menschen, die uns von ihrer Kindheit im zweiten Weltkrieg und ihrem persönlichen Umgang mit den belastenden Erlebnissen berichteten. Wir stellten ihnen unter anderen folgende Fragen:

  • An welche Erlebnisse können Sie sich erinnern?
  • Haben diese Erlebnisse Ihr Leben und ihre Beziehungen beeinflusst?
  • Beschäftigen Sie manche Erfahrungen noch heute?
  • Wie hat sich Ihre Beschäftigung mit dem Thema in den letzen Jahren verändert?

Traumabearbeitung im Alter – Theorie-Praxis-Transfer

Die wissenschaftlichen Befunde zu individuellen Bewältigungsstrategien, Schutz- und Risikofaktoren haben wir genutzt, um sozialpädagogische Konzepte für die Unterstützung einer konstruktiven Traumabearbeitung im Alter zu gestalten. Wir haben diese Konzepte so aufbereitet, dass sie sich für die Aus- und Weiterbildung in vielen Bereichen der Sozialen Arbeit sowie der Pflege verwenden lassen.

Unsere sozialpädagogischen Konzepte machen einen professionalisierten Umgang mit der frühen Traumatisierung durch Krieg und Nationalsozialismus möglich. Auf diese Weise kann nicht allein den traumatisierten Menschen das Leben im Alter erleichtert werden, sondern auch die professionelle Arbeit der Fachkräfte.

Mit unseren Projektpartnern konzipierten wir Workshops für damalige Kriegskinder und Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte und Ehrenamtliche. Auf diese Weise wurden unsere sozialpädagogischen Konzepte in der Praxis erprobt. Darüber hinaus wurden die traumapädagogischen Konzepte in das Curriculum der Altenpflegeausbildung im Hufeland-Haus aufgenommen wurden.

Wir bieten neben externen Fort- und Weiterbildungen auch Inhouse-Fortbildungen für Fachkräfte und Ehrenamtliche aus dem Bereich der Sozialen Arbeit und der Pflege an.

Emanuel KapfingerID: 10159