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01
Jun

Forderung nach neuer Drogenpolitik und einheitlichen EU-Richtlinien

4. Alternativer Drogen- und Suchtbericht veröffentlicht

Frankfurt am Main, 1. Juni 2017. Der 4. Alternative Drogen- und Suchtbericht (ADSB) wurde auch in diesem Jahr im Vorfeld der Veröffentlichung des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung herausgegeben. Der Ende Mai 2017 vorgelegte Bericht hat zum Ziel, Irrtümer in der Drogenpolitik zu korrigieren und Erkenntnisse der Sucht- und Präventionsforschung in dauerhaft erfolgreiche Maßnahmen zu übersetzen. Er gibt wissenschaftlich-fundierte sowie jugend- und verbraucherschutzorientierte Antworten auf aktuelle Herausforderungen der Drogenpolitik der Bundesregierung. Initiatoren sind das Institut für Suchtforschung Frankfurt am Main (ISFF) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) unter der Leitung von Prof. Dr. Heino Stöver, akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, die Deutsche AIDS-Hilfe sowie das Selbsthilfe-Netzwerk JES Bundesverband.

Der Reformstau in den Bereichen Drogenhilfe, -prävention und -recht, im Hinblick auf legale und illegale Drogen, wird innerhalb des Berichts diskutiert. Zudem bietet er alternative Lösungen zur Publikation der Bundesregierung an. Schwerpunktthemen der 4. Ausgabe des ADSB sind Menschenrechte; Strafverfolgung und Haft; Repression; Tabak- und Alkoholpolitik sowie realitätsnahe Prävention. Die Herausgeber fordern, dass die Bundesregierung die Außenwerbung für Tabak und Alkohol verbietet, Maßnahmen der Verhältnisprävention für Alkohol (Steuererhöhungen, Verbraucherschutz) diskutiert werden und Konsumentinnen und Konsumenten illegaler Drogen vollständig entkriminalisiert werden. Hierbei steht vor allem die Anpassung Deutschlands an die Regularien anderer EU-Staaten im Fokus der Herausgeber. „Eine drogenfreie Gesellschaft hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben. Die Akzeptanz dieser Gegebenheiten und die Verabschiedung vom Abstinenzparadigma eröffnen neue Perspektiven und Handlungsoptionen“, so Urs Köthner, Sozialarbeiter, Sozial- und Suchttherapeut sowie Geschäftsführer von Freiraum Hamburg e.V., der im aktuellen Bericht zusammen mit Frank Frehse im Aufsatz „Schluss mit KRIMInalisierung – Drogenmärkte regulieren“ für eine neue Drogenpolitik plädiert. Ziel ist hier vor allem die Durchsetzung von Maßnahmen zur Schadensminimierung anstelle eines absoluten Drogenverbots, denn „die selektive Drogenprohibition bewirkt Stigma und soziale Ausgrenzung“, wie Stöver und Hans Cousto in ihrem Beitrag anmerken. 

An den Inhalten des Berichts waren die Frankfurter Wissenschaftler Prof. Dr. Heino Stöver vom ISFF an der Frankfurt UAS und Dr. Bernd Werse vom Centre For Drug Research der Goethe-Universität beteiligt. 

Zur Person Stöver:
Prof. Dr. Heino Stöver ist Dipl.-Sozialwissenschaftler und Professor am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS. Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist die sozialwissenschaftliche Suchtforschung. Er ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt UAS. Zurzeit leitet er u.a. das Forschungsprojekt „Der Konsum von elektronischen Dampferzeugnissen (eDe) unter Jugendlichen“, das neben der Analyse des Konsums auch praktische Vorschläge für einen verbraucherschutzorientierten Umgang mit elektronischen Dampferzeugnissen entwickelt. Er hat den Master-Studiengang „Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe“ der Frankfurt UAS mitinitiiert.


Zum Institut für Suchtforschung (ISFF):
Das Institut für Suchtforschung (ISFF) an der Frankfurt UAS arbeitet seit 1997 an der Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer und lebensweltnaher Prävention, Beratung und Behandlung von Suchterkrankungen. Es erforscht Sucht in ihren verschiedenen Erscheinungsformen sowie die mit Sucht in Zusammenhang stehenden Probleme und Aspekte. Das Institut fördert den Ausbau von interdisziplinären Beziehungen zu Kooperationspartnern auf nationaler und internationaler Ebene. Forschungsprozesse und -resultate finden in Lehre und Studium Berücksichtigung.

Kontakt

Frankfurt University of Applied Sciences
Fachbereich 4: Soziale Arbeit und Gesundheit
Prof. Dr. Heino Stöver
Telefon: 069/1533-2823
hstoever@fb4 .fra-uas.de

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