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23
Feb

»Im Zeichen des Bösen: Aggression zwischen Kompetenz, Faszination und Destruktivität«

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten veranstaltet die 8. Wissenschaftliche Fachtagung in Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences / Einladung zum Pressegespräch am 3. März 2017, 11.30 Uhr

Unter dem Begriff der „Gewalt“ wendet sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten (bkj) mit einer interdisziplinär ausgerichteten wissenschaftlichen Fachtagung einem Thema zu, das in den vergangenen Monaten durch von Jugendlichen initiierte Amokläufe, dem Anzünden eines Obdachlosen oder der Messerattacke auf einen Polizisten wieder aktuelle Brisanz gewonnen hat. Die 8. Wissenschaftliche Fachtagung des bkj findet vom 3. bis 5. März 2017 an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) statt. Für Medienvertreter/-innen wird ein Pressegespräch am Freitag, 3. März 2017 um 11.30 Uhr angeboten. 

Dass Aggression im Leben junger Menschen eine Rolle spielt, haben die Amokläufe an Schulen in den USA und Deutschland gezeigt; dort hatte sich zum Teil bereits im Vorfeld ein Unbehagen bis zum Ausbruch ausufernder Gewalt aufgestaut. Die Gruppe Jugendlicher, die spontan versuchte, einen Obdachlosen in einer Berliner U-Bahn anzuzünden, führte vor Augen, dass das Aufflammen von überwältigender Gewalt auch plötzlich, möglicherweise aus einer ungebremsten Lust heraus zustande kommt. In eine ähnliche Richtung weist der Fall einer Jugendlichen, die aus einer radikalen weltanschaulichen Gesinnung heraus einen Polizisten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hat: Radikalisierung und Gewaltbereitschaft kann offensichtlich in vielen Jugendlichen und unabhängig von Geschlecht oder Herkunft entstehen. Diese Geschehen lassen darüber nachdenken, ob nicht etwas Prinzipielles, tief in der Psyche des Einzelnen, etwa ein Entgegenkommen oder eine Faszination, anzunehmen ist, die auf unterschiedliche Art an die Oberfläche befördert werden kann, etwa durch eine geeignete Gelegenheit oder durch kulturelle Prägung. Allerdings muss bei diesen Überlegungen gleichzeitig berücksichtigt werden, dass destruktive Gewalt von Aggression unterschieden werden sollte, die sich auch konstruktiv äußern kann. Auf der Fachtagung gilt es, ein differenziertes Bild zu diesem Thema zu zeichnen.

Beim Pressegespräch werden kurze Statements gegeben von:

  • ·                    Dipl. Psych. Marion Schwarz, Vorsitzende bjk
  • ·                    Dipl. Heilpäd. Michael Schroiff, Tagungsorganisationsgruppe
  • ·                    Prof. Dr. Bettina Bretländer, in Kooperation mit dem Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences
  • ·                    Dr. Inés Brock, Magdeburger Ausbildungsinstitut für Psychotherapeutische Psychologie
  • ·                    Dr. Martin Rettenberger, Direktor der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ), Wiesbaden 

Termin Pressegespräch:

Freitag
3. März 2017
11.30 Uhr

Ort:

Frankfurt University of Applied Sciences
Nibelungenplatz 1
Gebäude 2
5. Stock
Raum 577

 
Um Anmeldung zum Gespräch wird gebeten unter info@bkj-ev.de. Gerne stellen wir Ihnen eine Parkmöglichkeit zur Verfügung.

Der forensische Psychologe und Direktor der Kriminologischen Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden, Dr. Martin Rettenberger, zeichnet in seinem Vortrag ein Bild von der Allgegenwart der Gewalt-Problematik in der Weise, dass es einen Mechanismus gibt, durch den Gewalt prinzipiell zum Gegenstand des Handelns einer beliebigen Person werden kann. Laut Rettenberger werde Gewalt durch das Mitgefühl mit dem Anderen und seinem Leiden gewissermaßen gebremst; allerdings könne die Empathie auch regelrecht „abtrainiert“ werden: dies verdeutlichen Kriegssituationen, hier vor allem das Beispiel der Kindersoldaten, wobei vor allem „junge Männer“ rekrutiert werden, da diese nicht nur „leistungsfähiger“, sondern auch „formbarer“ seien.

Es liegt nahe, angesichts der angedeuteten Vorfälle ähnliche Mechanismen auch in der allgemeinen Lebenswelt zu suchen, wie dies etwa die Psychoanalytikerin und Direktorin des Instituts für Psychosoziale Prävention (Universitätsklinikum Heidelberg) Univ.-Prof. Dr. Svenja Taubner unter dem Begriff der „Mentalisierungsfähigkeit“ bzw. dem früh in der Entwicklung des Kindes angelegten Vermögen, „einen Sinn im Verhalten nahestehender Personen zu finden“, macht. Die Kontexte und Erscheinungsformen von Gewalt sind dabei vielfältig und fordern zu einem Handeln aus unterschiedlichen fachlichen und professionellen Perspektiven heraus, wie die weiteren Beiträge der Tagung zeigen. Dies geht über Traumatisierung, destruktive Selbstkonzepte  von  früh vernachlässigten und misshandelten Kindern bis hin zu gewalttätigen Medienangeboten und Cybermobbing sowie sexuell übergriffigen Verhaltensweisen und selbstverletzendem Verhalten.

Im abschließenden Podium unter Beteiligung von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Professionen soll das angedeutete interdisziplinäre Verstehen dieser Zusammenhänge aus psychologischer, pädagogischer, sozialökologischer und verhaltensbiologischer Sicht noch einmal gebündelt zur Diskussion gestellt werden: Die Frage lautet, wie können therapeutische oder pädagogische Fachpersonen in unterschiedlichen sozialen Feldern in diese Vorgänge eingreifen und den ihnen anvertrauten jungen Menschen hilfreich sein und damit auch den Institutionen und der Gesellschaft insgesamt Hilfe anbieten.
Weitere Informationen und das Programm zur Tagung finden sich unter: http://www.bkj-ev.de/htm/sub_fortbildungen_tagung.php

Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten (bkj):

Der bkj ist der Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten e. V. und vertritt die berufspolitischen Interessen von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in Deutschland.

Der Berufsverband wurde 1994 gegründet und hat inzwischen über 450 Mitglieder, die sowohl als niedergelassene PsychotherapeutInnen in freier Praxis, als auch angestellt in Beratungsstellen, Kliniken und Ambulanzen arbeiten. Zudem gehören zu unseren Mitgliedern KJP in Ausbildung.

Der bkj engagiert sich vor allem für eine bessere psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen, sowohl im Gesundheitsbereich als auch im gesellschaftlichen Kontext.

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