Ziel ist eine umfassende, barrierefreie und wohnortnahe Gesundheitsversorgung für alle Menschen
Im Innovationsfondsprojekt NAVIGATION wird ein interprofessionelles Versorgungsmodell für Primärversorgungszentren (PVZ) getestet, das die Versorgungsqualität und den Zugang zur Gesundheitsversorgung signifikant verbessern soll. Das Ergebnis wird darüber entscheiden, ob das Modell für PVZ in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wird.
Von April 2025 bis März 2027 werden insgesamt 580 Patient*innen einen neuartigen Versorgungspfad durchlaufen. Es handelt sich dabei um ein Best-Practice-Modell, das neue Standards in der interprofessionellen, wohnortnahen Primärversorgung setzen soll. Das Modell wurde im Rahmen des Innovationsfondsprojekts „Nachhaltig versorgt im gemeindenahen Gesundheitszentrum – Gesundheit im Zentrum“ (NAVIGATION) entwickelt und basiert auf den Praxiserfahrungen der beiden Primärversorgungszentren Poliklinik Veddel in Hamburg und des GeKo - Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Neukölln in Berlin. Beide Einrichtungen arbeiten nach den Primary-Healthcare-Richtlinien der WHO und gehören zu den ersten PVZ Deutschlands. Gemeinsam leiten sie NAVIGATION und bieten den innovativen Versorgungspfad in den kommenden zwei Jahren in ihren Häusern an. Parallel zur Studie analysiert ein Überleitungsboard unter der Leitung von Prof. Dr. Sibel Altin von der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Übernahme des Modells in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen. Altin hat eine Professur für Gesundheits- und Pflegemanagement am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt UAS.
Aufseiten der Krankenkassen begleiten die AOK Rheinland/Hamburg und die AOK Nordost das Projekt. Die Unterstützung einer patientenorientierten, niedrigschwelligen Primärversorgung sowie die Stärkung der interprofessionellen Zusammenarbeit sind zentrale Forderungen aus dem AOK-Positionspapier zur Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl. Die wissenschaftliche Evaluation übernimmt die Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ergebnisse werden im Oktober 2027 erwartet. Gesundheitspolitik, Wissenschaft und Krankenkassen sehen in der flächendeckenden Etablierung von PVZ das Potenzial, die ambulante Versorgung nachhaltig zu verbessern und Versorgungslücken zu schließen.
Das zeichnet die Versorgung im PVZ aus:
NAVIGATION will die Fragmentierung des deutschen Gesundheitssystems überwinden und so die Lage der Patient*innen deutlich verbessern:
- Interprofessionelle Versorgung: Patient*innen werden im PVZ von einem fachbereichsübergreifenden Team versorgt, das aus Community Health Nurses (CHN), Hausärzt*innen, Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen besteht. Gemeinsam entwickeln die Fachkräfte einen individuell abgestimmten Versorgungspfad, der auch soziale Faktoren berücksichtigt.
- Intensive Betreuung durch CHN: Das Clinical Leadership wird von einer CHN übernommen. Die akademisch ausgebildete Pflegefachkraft begleitet die Patient*innen über den gesamten Versorgungsprozess hinweg. Sie ist feste Ansprechperson und initiiert regelmäßige Gespräche und telefonischen Check-ups. Eine kontinuierliche und persönliche Betreuung wird so gewährleistet.
- Bessere Zugänglichkeit: Die individuelle Gesundheitskompetenz der Patient*innen wird an allen Kontaktpunkten berücksichtigt und gestärkt. Durch den barrierefreien Zugang zu Versorgungsleistungen – sei es durch Unterstützung bei bürokratischen Hürden, Sprachmittlung oder Hausbesuchen – wird eine größere Patientengruppe erreicht, deren Versorgung bislang nicht ausreichend sichergestellt ist.
- Empowerment: Patient*innen werden aktiv darin unterstützt, ihre Rechte geltend zu machen – nicht nur in Bezug auf Gesundheitsleistungen, sondern auch auf andere gesundheitsrelevante Lebensbereiche. Zusätzlich zur individuellen Beratung gibt es spezielle Gruppenangebote, die auf die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Patient*innen zugeschnitten sind und den Raum bieten, sozialen Determinanten kollektiv entgegenzutreten. Die Gruppenangebote werden in Kooperation mit der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. konzipiert.
Weitere Informationen zum Projekt NAVIGATION: https://navigation-im-pvz.de/ und auf der projektbezogenen Website des G-BA unter https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/navigation.635
Kontakt Frankfurt UAS:
Prof. Dr. Sibel Altin, Tel.: +49 69 1533-2692, E-Mail: sibel.altin(at)fb4.fra-uas. de
Pressekontakt Hamburg:
Katja Schlegel, Tel.: +49 178 537520, E-Mail: schlegel(at)poliklinik1. org
Pressekontakt Berlin:
Dr. Patricia Hänel, Tel.: +49 179 662 9992, E-Mail: p.haenel(at)geko-berlin. de