Studierendenprojekte der Frankfurt UAS im Rahmen der „Vision 31“
Wie kann man die Nachbarschaft beleben? Mit welchen künstlerischen Mitteln kann man soziale Räume auf der Fläche analysieren? Im Rahmen des Projekts „Vision 31“ konnten Studierende des Fb 1 und Fb 4 im vergangenen Jahr den Kulturcampus erforschen und Ideen für seine Zukunft entwickeln.
Ko-Kreation für den Kulturcampus
In Form eines Kulturcampus‘ sollen auf dem ehemaligen Universitätsgelände im Frankfurter Stadtviertel Bockenheim langfristig Kunst- und Kultureinrichtungen ihr Zuhause finden. Wie bis dahin die Freiräume dort und insbesondere die leerstehende ehemalige Kunstbibliothek zwischengenutzt werden können, daran arbeitete die Frankfurt UAS im Projekt Vision 31 gemeinsam mit dem Verein Offenes Haus der Kulturen, der zivilgesellschaftlichen Initiative Making Frankfurt, sowie dem Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt. „Vision 31“ wurde bis Ende 2024 im Rahmen der Initiative New European Bauhaus (NEB) von der EU gefördert und soll als Reallabor unterschiedliche Nutzungs- und Betreibermodelle für eine Ko-Produktion vor Ort erproben.
Davon profitiert auch das Lehrangebot der Frankfurt UAS. „Mit unserer Beteiligung an der ‚Vision 31‘ bietet sich für die Studierenden die Gelegenheit, verschiedene Perspektiven der Stadtplanung zu entdecken und aktiv zur ko-kreativen Entwicklung des Campus beizutragen. Sie erlangen somit Einblicke in innovative Arbeitsmethoden im Rahmen einer prozessorientierten und integrativen Stadtentwicklung“, so Prof. Dr.-Ing. Paola Alfaro d’ Alençon, Professorin am Fb 1 für Städtebau und Entwerfen im internationalen Kontext.
Von Urban Gardening über Graffiti-Tattoos zu Klimastudien
Studierende der Städteplanung und des Master-Studiengangs Urban Agglomerations entwickelten etwa im Projekt „Waking Up the Sleeping Giants“ im Sommersemester 2024 Werkzeuge für die Wiederbelebung der Nachbarschaft und konzentrierten sich auf die Aspekte Ressourcen, Gemeinwohlgüter und Ko-Produktion. So entstand unter anderem eine verkehrsplanerische Skizze für einen 15-Minuten-Block sowie ein Konzept für ein GreeNetwork im Quartier samt Urban Gardening und Dachbegrünungen. „Die Studierenden haben in ihren Projekten trans- und interdisziplinär gearbeitet. Das ist eine Kernkompetenz, die man als Stadtplaner*innen haben sollte, die man aber nicht immer schon im Studium ausprobieren kann“, so Professorin Alfaro d’ Alençon, die das Projektteam „Vision 31“ an der Frankfurt UAS mitleitet. Dabei stand man in praxisnahem Austausch mit verschiedenen lokalen Akteuren und Bewohner*innen rund um den Kulturcampus, etwa durch die Einbindung in Kartierungen und Aktionen vor Ort. Die studentischen Visionen habe man vorgestellt und in die Diskussion zur möglichen Umsetzung eingebracht.
Zu diesen Visionen gehört auch der Blick von Studierenden aus dem Fb 4 auf unterschiedliche Fragestellungen zum Kulturcampus. Seminarteilnehmende aus dem Master Performative Künste in Sozialen Feldern erforschten etwa die dortigen soziale Räume mit künstlerisch-ethnographischen Methoden und erprobte Interventionen. So dokumentierte und analysierte eine Gruppe Graffiti, Tags und Aufkleber vor Ort und gestaltete aus ausgewählten Beispielen Abzieh-Tattoos, die sie in einer Performance auf die Haut von Passant*innen brachte, um die Messages des Campus in die Stadt und Welt zu tragen. Professor Dr. Raul Gschrey, Professor für Neue Medien und Medienpädagogik am Fb 4, zieht eine erste Bilanz:
„Stadt- und Demokratiegeschichte und persönliche Geschichten und Emotionen verbinden sich mit dem Ort und die Vielzahl der interessierten Bürger*innen und kultureller, sozialer und politischer Initiativen ist bemerkenswert. Die Recherchen und Interventionen der Studierenden auf dem Campus zeigen die Potentiale des Areals und der Gebäude auf: als Raum zur Entwicklung zukunftsweisender und nachhaltiger Utopien für Frankfurt. Dies werden wir in weiteren interdisziplinären Seminaren und im Rahmen unseres U!REKA European University Netzwerks weiterverfolgen.“
Einblicke in die bisherigen studentischen Projekte der Frankfurt UAS sowie der Goethe-Uni gibt das englischsprachige Booklet „Vision 31 – Students‘ perspectives on the Cultural Campus“, das über den Wissenschaftlichen Publikationsserver (WIPS) der Frankfurt UAS abrufbar ist. Die weiterführende Finanzierung für die „Vision 31“ wird derzeit von den unterschiedlichen Projektpartnern gemeinsam vorangetrieben.